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Horst Reichel: „Diese Saison kommt einem Desaster nahe“

Horst Reichel gewann 2014 seine erste Ironman-Langdistanz in Kalmar, der bislang größter Erfolg seiner Karriere. Ganz anders die Saison 2015, die für den Darmstädter alles andere als nach Plan verlief. Im Interview spricht er über die Gründe und Rückschläge dieser Saison, das Thema Off-Season und seine Ziele für 2016.

Nach deinem letzten Wettkampf, der Challenge Paguera, bist Du in die Off-Season gestartet. Genießt Du sie in vollen Zügen?
Auf jeden Fall. Es ist die Zeit im Jahr in der ich jenseits des Sports alles machen kann worauf ich Lust habe.

Wie sieht die Off-Season bei Dir aus? 
In den ersten 2 Wochen bin ich doch recht träge. Trotzdem halte ich die Maschine minimal am Laufen und versuche jeden zweiten oder dritten Tag aktiv zu bleiben. Daneben arbeite ich alles daheim liegengebliebene wieder auf wie z.B. Büroarbeit, Saison- und Trainingsplanung, Sponsorenbetreuung, Steuererklärung. Außerdem ist es für mich eine gute Zeit Familie und Freunde zu besuchen.

Wie wichtig ist die die Pause nach der Saison? 
Eine Saisonpause ist essentiell. Je länger die Saison war, desto länger sollte auch die Pause sein. Dabei geht es nicht nur um die körperliche Erholung. Erholt fühlt man sich manchmal schon nach einer Woche. Es gilt vor allen Dingen den Kopf wieder frei zu bekommen. Wenn man sich auf 2 Saisonhöhepunkte vorbereitet und alles darauf auslegt, fällt man danach oft in eine gewisse Leere. Die Saisonpause hilft darüber hinwegzukommen in dem man die letzte Saison analysiert und neue Ziele definiert.

Viele Hobby-Triathleten juckt es bereits nach einigen Tagen wieder Sport zu machen oder sehen keinen Sinn in der Saisonpause. Hast Du als Profi einen Tipp für Age-Grouper?
Ich würde auf keinen Fall der Verlockung nachgeben und mit dem Triathlontraining zu früh anfangen. Aber wem es unter den Nägeln brennt, der sollte sich Alternativen suchen. Der Besuch im Fitnessstudio halte ich für eine gute Möglichkeit. Wie so nicht einmal den Pilateskurs besuchen? Das macht auch Spass und man kommt vielleicht auch an seine Leistungsgrenzen. Wer z.B. unbedingt Radfahren will, der sollte dann doch mal das Cross- oder Mountainbike benutzen und neue Strecken erkunden. Wichtig ist, dass der Spassfaktor im Vordergrund steht.

Nutzt Du die Zeit auch um alternative Sportarten auszuprobieren? 
Definitiv. Aktuell probiere ich das Skiken aus. Das ist eine Form von Crossrollski. Es macht unheimlich Spass und ist koordinativ anspruchsvoll.

Wann fängst Du wieder mit dem Training an? Hast Du Tipps, wie man nach einer Pause wieder gut reinkommt und den inneren Schweinehund überwinden kann?
Wichtig ist nicht ganz untätig zu sein. Wer seine Saisonpause aktiv gestaltet, fängt auch nicht komplett von Null an. Außerdem hilft es wenn man sich ein paar Termine einplant wie die Teilnahme an Volksläufen. Man hat ein ein kleines Ziel vor Augen und trainiert nicht einfach vor sich hin. Ansonsten hilft es sich mit Trainingskollegen zu verabreden. In der Gemeinschaft fällt das Training einfacher und man bindet sich zeitlich durch den vereinbarten Trainingstermin.
Ich habe mein Training diese Woche wieder aufgenommen. Das heißt jeden Tag 1-2 Einheiten mit dem Schwerpunkt Technik und Beweglichkeitstraining.

Dieses Jahr lief bei dir eher durchwachsen. Wie fällt dein Resümee aus?
Durchwachsen ist noch harmlos beschrieben. Diese Saison kommt schon einem Desaster recht nahe. Der zweite Platz beim IM 70.3 Rügen war super aber gemessen an meinen diesjährigen Langdistanzen habe ich doch ziemlich ins Klo gegriffen. Als Leistungssportler wird man an seinen Erfolgen gemessen und wenn man nach einer Saison ohne große Verletzung keine Topresultate stehen hat, stellt man sich schon mal die Sinnfrage. Selbst wenn man im Vorjahr einen Ironman gewonnen hat.

Du hattest auf der Langdistanz dieses Jahr ein paar Probleme mit der Energieversorgung, beispielsweise in Roth oder auch beim Ironman Mallorca wo Du nach Radkilometer 150 sogar aussteigen musstest. Woran lag das und hast Du schon eine Lösung gefunden, wie Du das Problem in den Griff bekommen kannst?
Die Energie war ein Riesenproblem in dieser Saison. Schon Anfang des Jahres habe ich in einer Leistungsdiagnostik bei meinem Partner iq-Athletik feststellen müssen, dass meine Fettverbrennung schon drastisch gemindert war und ich selbst bei mittleren Belastung super viele Kohlenhydrate verbrannt habe. Das hat nichts mit der Fitness zu tun. Ich habe einen neuen Bestwert in der Maximalbelastung aufgestellt aber der Fettstoffwechsel war im Keller. Eine Erklärung ist eventuell, dass ich schon relativ früh sehr hohe Intensitäten trainiert habe und die Grundlagenphase zu kurz und auch zu intensiv gestaltet habe. Ich hatte schon Ende Februar einen Start bei der Challenge Dubai (Teil der Triple Crown mit 1 Millionen EUR Preisgeld) und wollte konkurrenzfähig an den Start gehen.

Im Sommer war ich dann auch noch drei Wochen im Höhentrainingslager und das war wohl auch nicht förderlich. In der Höhenluft hat man einen gesteigerten Energiegrundumsatz und man kann auch nur schwer im sauberen Fettstoffwechselbereich trainieren. Wie auch immer, das war wohl der letzte Todesstoß für meinen Metabolismus und ich habe es in der zweiten Saisonhälfte nicht mehr in den Griff bekommen.

Daher hat nun mein Coach Michael Krüger vorgeschlagen einen totalen Reboot für mein Stoffwechselsystem zu starten. Dabei soll eine sogenannte Sportfastenkur helfen. Das Konzept kommt aus den Niederlanden und wurde schon erfolgreich bei Radprofis angewendet.

Hast Du diese Rückschläge noch im Kopf oder hast Du diese bereits abgehakt?
Mittlerweile habe ich die Saison verarbeitet. Aber es hat doch ein wenig gedauert. Aktuell kann ich es kaum abwarten in die Vorbereitung für das nächste Jahr zu starten.

Hast Du für die Saison 2016 schon Pläne geschmiedet? Auf was dürfen wir uns freuen oder wo können dich deine Fans anfeuern?
Momentan bin ich noch mitten in der Planung für die nächste Saison. Ich denke aber, dass ich bei einer der großen deutschen Langdistanzen starten werde. Daneben plane ich Starts über ein paar Kurz- und Mitteldistanzen als Vorbereitung.

Euer Team Sport for Good hat mit dem Rennfahrer Daniel Juncadella prominente Verstärkung bekommen. Er bereitet sich zusammen mit Timo Bracht auf die Ironman Weltmeisterschaften auf Hawaii 2016 vor. Hast Du auch mit ihm Kontakt oder bist in die Vorbereitung involviert?
Mit Daniel hatte ich bis jetzt noch keinen Kontakt da die Partnerschaft mit dem Team recht neu ist. Es ist abhängig davon wie mein Weg für 2016 aussehen wird. Wir haben nächste Woche in Berlin im Rahmen der Laureus Sports Awards ein Teammeeting bei der wir die Saisonplanung besprechen werden.

Vielen Dank Horst für das Interview. Genieß die Off-Season und viel Erfolg für die Saison 2016!

Fotocredit: privat

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