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Meine erste Mitteldistanz: Mit Verspätung ins Ziel!

Zwei Kilometer Schwimmen, 80 Kilometer Rad fahren und abschließend 20 Kilometer Laufen. Dass ich es irgendwie schaffen würde, war mir nach den letzten Trainingseinheiten klar. Da müsste schon etwas passieren, das mich am Weitermachen hindert. Doch ein Spaziergang war das nicht. Es war hart, zum Teil sogar sehr hart.

Nachdem ich meine erste Mitteldistanz bereits im Juni machen wollte und krankheitsbedingt absagen musste, konnte ich mir den Traum – endlich einen Schritt weiterzugehen – mit Verspätung erfüllen. Viele Sprintrennen und Olympische Distanzen habe ich in den letzten vier Jahren absolviert und einige meiner Freunde und Vereinskollegen lagen mir bereits seit einiger Zeit in den Ohren: „wann kommt denn endlich deine erste Mitteldistanz?“ Der Schritt, eine Mitteldistanz zu absolvieren, war also mehr als überfällig. Bereits am Samstag bin ich zusammen mit zwei Freundinnen nach Erlangen gefahren. Startunterlagen abholen, Schwimmstrecke anschauen und all die Kleinigkeiten erledigen, die am Vortag so zu tun sind.

Der Wettkampftag: Start mit einer Enttäuschung

Die Nacht war dann doch etwas unruhig. Nicht unbedingt wegen der Aufregung, sondern eher wegen lauten Gewittern und weil es zu dritt in einem Zimmer dann doch etwas ungewohnt ist. Kurz vor sechs Uhr ging der Wecker, ausgeschlafen fühlte ich mich nicht wirklich. Ein kleines Frühstück und ab zur Wechselzone. Eingecheckt und bemerkt: Juhu, Neoverbot! Schwimmen im Neoprenanzug ist sowieso nicht mein Ding.

Doch der Wettkampftag startete für mich alles andere als gut. Irgendwie wollte meine Schwimmbrille nicht wie ich und lies ständig Wasser rein. Dadurch tränten meine Augen und ich konnte kaum etwas sehen. Beim Wendepunkt stellte ich fest, dass ich schon über 23 Minuten unterwegs war. Eigentlich, so das Ziel, wollte ich knapp unter 40 Minuten DSC_0380.JPGSchwimmen. Das hatte sich zu diesem Zeitpunkt also schon erledigt. Die Augenschmerzen wurden immer stärker und der Schwimmausstieg wollte einfach nicht näher kommen. Nach über 49 Minuten stieg ich aus dem Wasser – äußerst unzufrieden und mit richtig schlechter Laune.

Wenn ständig Männer an dir vorbeifliegen…

Nach etwa 53 Minuten war ich dann aus der Wechselzone und auf dem Rad unterwegs. Das Wetter sah nicht besonders gut aus und ich hoffte, dass es einfach trocken bleibt. Der Großteil der Mitteldistanz-Männer waren in der Startgruppe nach mir gestartet, sodassFoto 31.07.16, 19 39 09 ich ab diesem Zeitpunkt ständig von den Herren der Schöpfung überholt wurde. Richtig in den Rhythmus kam ich nicht, mein Magen wollte das Gel nicht und es kam mir mehrfach wieder hoch. Ok, also auf Banane an der Verpflegung umgesiedelt und nur noch Wasser getrunken. Während sich mein Magen auf der zweiten Runde wieder beruhigte, machteaber der Wind so langsam Alarm. Ein harter Kampf, nicht nur gegen die äußeren Bedingungen, sondern auch gegen mich selbst, meinen Kopf und die Zeit egann. Mit über sechs Minuten mehr auf der zweiten Runde kam ich nach knapp unter drei Stunden in der Wechselzone an. Ich dachte: Oh Gott, und jetzt auch noch Laufen? Das kann ja was werden.

Doch die Überraschung folgte: Ich konnte super locker loslaufen, hatte keine Beschwerden und auch die Waden waren noch recht erholt. Die ersten Kilometer gingen in einer Pace unter sieben Minuten pro Kilometer – erwartet hatte ich das nicht. Ganz im Gegenteil. Also ab auf die erste Runde durch den Wald, vorbei an meinen Freundinnen an der Strecke. Bei Kilometer sechs musste ich kurz einen Toilettenstopp einlegen, doch auch den konnte ich zeitlich wieder aufholen. „Du bist die ersten zehn Kilometer in 6:40er Pace gelaufen!“, schrie mir Angela zu. Echt? Hoffentlich kann ich das halten, dachte ich mir.

„Ich habe Rücken!“

Es folgten die Kilometer 12, 13 und 14 – noch ohne Probleme. Doch bereits in den Wochen vor dem Wettkampf zeigte sich, dass mein ISG ständig blockiert und ich dadurch mehr oder weniger ständig Schmerzen im unteren Rücken hatte. Und wie sollte es anders sein? Na klar, im Wettkampf kamen diese Probleme natürlich wieder. Ab der Kilometermarke 14 ging es rapide bergab. Immer wieder musste ich stehen bleiben, habe mich gedehnt und geflucht was das Zeug hält. Ich war so gut unterwegs und jetzt das? Meine Beine wollten Laufen, mein Kopf auch – nur mein Rücken sagte mir ständig: „Hast du noch alle Tassen im Schrank?“ Ja habe ich! Und ich will dieses verdammte Ziel erreichen!

Also Tempo runter und immer wieder kurze Pausen eingelegt. Es kam eine Helferin auf dem Fahrrad vorbei, die, wie sich herausstellte, bereits den Frankfurt Marathon gelaufen war. Wir sprachen über verrückte Triathleten, die sich immer wieder solchen Schmerzen aussetzen. Die tolle Stimmung in Frankfurt an der Marathonstrecke und die vielen Helfer, die solche Veranstaltungen ermöglichen. Sie radelte kurz nach dem Schild „Kilometer 18“ weiter und rief mir noch zu: „Ich warte im Ziel auf dich!“

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

Die zu absolvierende Strecke wurde immer weniger und ich war einfach nur glücklich, weil ich genau wusste: Das ist jetzt nur noch nach Hause laufen. Ein letztes Mal über die fiese Brücke auf die andere Kanalseite und den letzten Kilometer Richtung Ziel genießen. Innerlich schon Freudenschreie losgelassen, viele der bereits geduschten Finisher liefen mir entgegen zur Wechselzone, klatschten mir zu und motivierten mich für die letzten Meter. Ein anderer Helfer, den ich mehrfach im Wald getroffen hatte, rief mir schon zu: „Herzlichen Glückwunsch!“ und ich konnte schon den Zielkanal sehen. Endlich durfte auch ich einbiegen und hörte meine Freunde und Vereinskollegen schon jubeln. Was ein tolles Gefühl! Das Lachen nicht mehr aus dem Gesicht bekommen, die Ziellinie überquert und erstmal ins Gras gelegt. Rücken, ich hasse dich! Doch Mitteldistanz, dich möchte ich gerne wieder erleben. Mit etwas Verspätung – sowohl mit meinem für den Tag gesetzten Ziel als auch dem Absolvieren einer Mitteldistanz überhaupt – habe ich mein Ziel erreicht. Glücklich und mit einem Lächeln auf den Lippen!

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Ein Eis und ein Radler auf dem Heimweg: Selten hat das so gut geschmeckt.

Der Triathlon in Erlangen ist übrigens eine Reise absolut wert. „Uns ist es wichtig, den Athleten in den Vordergrund zu stellen“, hat mir Organisatorin Jennifer Steib bereits vor dem Wettkampf gesagt. Und ich kann bestätigen: hier ist das auch wirklich noch so. Der Athlet steht an erster Stelle. Egal, ob vor, während oder nach dem Wettkampf. Das war einer der schönsten Veranstaltungen, die ich bisher erleben durfte. Und wer weiß, vielleicht klappt ein zweiter Start im nächsten Jahr. Dann mit dem Ziel unter sechs Stunden zu bleiben! Und wer jetzt Blut geleckt hat: Ab März könnt ihr Euch für die Veranstaltung Ende Juli 2017 anmelden.

Hungrig nach mehr: Wie geht’s jetzt weiter?

Meine Erkenntnisse aus der ersten Mitteldistanz: Man kann alles schaffen, man muss nur an sich glauben! An meiner Radform muss und werde ich definitiv arbeiten. Das Laufen lief zwar schon verhältnismäßig gut, aber das geht noch deutlich besser. Eine neue Schwimmbrille habe ich bereits in meine Schwimmtasche gepackt und die Alte ist im Müll gelandet. Jetzt muss ich mir nur neue Ziele suchen und werde im kommenden Jahr voraussichtlich zwei Mitteldistanzen absolvieren.

Wer weiß, viel bleibt an Distanzen ja nicht mehr übrig. Vielleicht geht’s für mich dann 2018 auf die Langdistanz, aber ich will mich nicht festlegen. Aber ein Start beim Ironman Frankfurt steht auf jeden Fall auf meiner To-Do-Liste. Bis dahin gibt es aber noch ein paar andere Rennen in meinem Kalender. Am 28.08. starte ich in Viernheim und am 4.9. in Baunatal in der Liga-Mannschaft unserer Eintracht-Mädels. Am 11.09. bin ich beim Lauf für mehr Zeit in Frankfurt und laufe sowohl die fünf als auch die zehn Kilometer für den guten Zweck. Aber jetzt heißt es erst einmal: Beine hochlegen und regenerieren!

Zeit, um Danke zu sagen!

Foto 31.07.16, 19 40 20Ein großes Dankeschön geht an dieser Stelle natürlich an meinen Trainer, ohne den ich nicht so gut vorbereitet gewesen wäre. Der mit mir durch Höhen und Tiefen gegangen, mich im richtigen Moment motiviert oder auch mal in Ruhe gelassen hat. Danke! Meine Begleiterinnen Isa und Angela, die mit mir das Wochenende in Erlangen verbracht und dafür gesorgt haben, dass alles reibungslos funktioniert und es mir stets gut geht. Außerdem natürlich an alle Unterstützer von Triathlove: Saucony Deutschland, Kiwami, Fahrrad Böttgen, Lacroix Physiotherapie, Symbio Vital Sport und Grafik Idee Textilwerbung. Ohne Euch wäre dieses ganze Projekt nur halb so gut! Danke, danke, danke!

Fotocredit Titelbild: https://www.zeitgemaess.info

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14 Comments

  • Reply
    Manuela
    2. August 2016 at 19:21

    Liebe Ann-Kathrin, ich gratuliere dir ganz herzlich zu deinem Erfolg! Kannst wirklich stolz auf dich sein!!!

    Liebe Grüße, Ela

  • Reply
    Trilifelove
    2. August 2016 at 19:24

    Herzlichen Glückwunsch echt super!

  • Reply
    eattraincare
    2. August 2016 at 21:47

    Super!!! Herzlichen Glückwunsch *jubel*
    Danke für den Bericht, das fixt mich jedes Mal total an 😉

    • Reply
      annkathrinernst
      2. August 2016 at 21:53

      So soll es sein! Bin gespannt, wann du von deinem ersten Triathlon berichtest 🙂

      • Reply
        eattraincare
        2. August 2016 at 21:57

        hmmm 🙂 ich denke, das wird erst im nächsten Jahr soweit sein. Werde den Herbst und Winter zur Vorbereitung nutzen. Aber bin schon ganz heiß drauf!!

  • Reply
    Lena Kuhmann
    3. August 2016 at 7:56

    WOW herzlichen Glückwunsch. Ich hab richtig mitgelitten beim lesen. Aber du hast es durchgezogen. Das Gefühl ist super. Werde mal gucken ob das nicht irgendwann auch noch mal ein Ziel für mich ist.

    Viele Grüße aus Bremen

  • Reply
    Fox
    3. August 2016 at 8:16

    Yeah – herzlichen Glückwunsch auch an dieser Stelle. Schön zu lesen. Finds auch immer wieder bewundernswert, wie gut sich die Beine am Anfang des Laufsplits anfühlen, obwohl auf den letzten Radkilometern schon denkt, dass man eigentlich total platt ist 🙂 Und bevor ichs vergesse: Streich am besten den IM Frankfurt auf der deiner Liste und fahr nach Roth 😉

    • Reply
      annkathrinernst
      3. August 2016 at 8:18

      Ne, ne. Nur durch den IM in Frankfurt bin ich überhaupt zu dem Sport gekommen und ich wohne hier.. Für mich wäre das was ganz besonderes 🙂

    • Reply
      annkathrinernst
      3. August 2016 at 8:18

      Aber natürlich Danke für die Glückwünsche 🙂

  • Reply
    dertobi75
    3. August 2016 at 14:33

    Glückwunsch! Ich bleibe in diesem Jahr definitv auf der olympischen Distanz, aber vielleicht ist Erlangen ja im nächsten Jahr dann eine Option für die erste Mitteldistanz 🙂

    • Reply
      annkathrinernst
      3. August 2016 at 19:30

      Sowieso empfehlenswert und für die erste MD umso mehr!

  • Reply
    kati
    24. August 2016 at 14:08

    du kannst echt stolz auf dich sein! gratuliere zum finish°

  • Reply
    Andy
    7. September 2016 at 7:42

    Glückwunsch zur erfolgreichen Mitteldistanz – Premiere !
    Erlangen ist wirklich ein toller Wettkampf den ich damals als Probe für mei LD-Debüt in Roth absolviert hatte.

    Viele Grüße

    Andy

  • Reply
    Die Achterbahnfahrt durch 2016 – Willkommen 2017! – Triathlove
    1. Januar 2017 at 23:46

    […] „verloren“, dafür aber eine super schöne andere Veranstaltung kennengelernt. Denn Erlangen war ein wirklicher Glücksgriff. Zwar war ich mit meinen 6 Stunden und 20 Minuten glaube ich Vorletzte, doch ich habe viele tolle […]

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